An die 400 Gäste gedachten gestern Abend im Parlament der ersten österreichischen Ministerin Grete Rehor, deren Geburtstag sich heute zum hundertsten Male jährt. Eingeladen dazu hatte der Zweite Präsident des Nationalrates, Fritz Neugebauer auf Initiative der ÖVP-Frauen.
Grete Rehor wurde als erste Frau 1966 unter Bundeskanzler Josef Klaus in ein Ministeramt bestellt und leitete bis 1970 das Sozialressort. Sie war eine engagierte Christgewerkschafterin und Arbeitnehmervertreterin, der es, dank ihrer Hartnäckigkeit gelang, etliche bahnbrechende Gesetze durchzusetzen. So legte sie mit dem Arbeitsmarktförderungsgesetz den Grundstein für eine aktive Arbeitsmarktpolitik. Sie schuf die Basis für die bis heute geltenden Mutterschutzregelungen und setzte wichtige Schritte für den Familienlastenausgleich. Unter ihrer Ministerschaft wurde das Sozialbudget um 66% gesteigert und die Pensionen konnten um 22% erhöht werden.
Bei der gestrigen Veranstaltung würdigte ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf Rehor als Pionierin für die Frauenpolitik, Außenminister Michael Spindelegger betonte als Obmann des ÖAAB die Wichtigkeit des von Grete Rehor gegründeten Frauenreferats im Arbeitnehmerbund und die noch immer aktuellen Forderungen nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Er wies in seiner Rede darauf hin, dass Vereinbarkeit heute aber für beide Geschlechter gelten müsse.
Familienstaatssekretärin Christine Marek betonte, dass manche der Forderungen Grete Rehors, wie etwa die Entgeltgleichheit von Frauen und Männern, und die flächendeckende Kinderbetreuung auch heute noch aktuell sind, und sie es auch als ihre Aufgabe als politische Enkelin der Jubilarin sieht, hier mit großer Energie an einer Verbesserung zu arbeiten.
BM a.D. und ÖVP-Frauenchefin Maria Rauch-Kallat konnte in einer kleinen Gesprächsrunde zwei Weggefährten Rehors zu Wort bitten. Der frühere Bundesparteiobmann der ÖVP, Josef Taus und die ehemalige Wiener Landtagspräsidentin Maria Hampel-Fuchs erinnerten sich an die Zähigkeit und Hartnäckigkeit Grete Rehors, die stets mit leiser Stimme und nie versiegender Geduld an der Durchsetzung ihrer Forderungen gearbeitet hatte. Taus wies vor allem darauf hin, dass Rehor diejenige war, die eine Bresche für alle nachkommenden Frauen geschlagen hat, deren Wichtigkeit heute von vielen Männern noch immer nicht erkannt werden würde. „Die Frauen sind die intellektuelle Reserve der Menschheit, die Ressource Männer ist ausgeschöpft,“ meinte Taus.
Die Verdienste Rehors als Christgewerkschafterin und Ihr Engagement für behinderte Jugendliche betonte ÖGB-Vizepräsident und Bundesvorsitzender der FCG, Norbert Schnedl.
Die Österreichische Post AG hat zu Ehren der ersten österreichischen Ministerin eine Sonderpostmarke herausgebracht. Generaldirektor Georg Pölzl hatte es sich nicht nehmen lassen, die Marke persönlich im Parlament zu präsentieren.
In der Säulenhalle des Parlaments wurde bei einem kleinen Imbiss noch lange der bedeutenden österreichischen Politikerin gedacht.